Informationen zum Abschluss des Berlin Projektes:
Die Ergebnisse der Langzeitstudie "Musik(erziehung)
und ihre Wirkung" haben großen Anklang in der Öffentlichkeit
gefunden.
Als am 12. April vergangenen Jahres auf einer Pressekonferenz im Rahmen
der Frankfurter Musikmesse die sogenannte Berlin-Studie der Öffentlichkeit
vorgestellt wurde, fiel eine große Last von den beteiligten Wissenschaftlern
ab. Noch eine Woche zuvor war in intensiver Zusammenarbeit mit dem Verlag
Schott Musik International an den Druckfahnen gearbeitet worden. Die Abschlussdoku-mentation
mit dem Titel Musik(erziehung) und ihre Wirkung wurde also "auf den
letzten Drücker" fertig und konnte mit großen Medienecho
am Stand des Schott-Verlages präsentiert werden.
Alle
Beteiligten sind ein wenig stolz, dass dieses Opus in der kurzen Zeit
seit Erscheinen so einen Anklang in der Öffentlichkeit gefunden hat:
Denn bereits nach wenigen Tagen war die erste Auflage vergriffen, so dass
ein neuer Druck von weiteren Exemplaren notwendig wurde.
Wir stellen hier den Text der gemeinsamen Presseerklärung des Bundesministeriums
(BMBF) und der Autoren vor und in der Rubrik "Presseberichte"
auch einige Meldungen aus den überegionalen Tageszeitungen.
Das Erscheinen der Dokumentation hat aber nicht nur in den Printmedien
für Furore gesorgt, auch in Radio- und Fernsehsendungen wurde berichtet:
Radiosendungen in WDR II "Mozart macht's" oder im Hessischen
Rundfunk am 25.04.00 mit dem Titel "Musikerziehung und Begabung"
oder beispielsweise im SWR II "Redaktion Wissen" sind deutlicher
Beleg, dass unsere Forschungsergebnisse große Aufmerksamkeit in
der Öffentlichkeit erlangt haben. Sie lösen derzeit neue bildungspolitische
Diskussionen aus, die für die Bedeutung der Musik in der Gesellschaft
und für den Musikunterricht in den Schulen wichtig sind.
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Presseerklärung
zu der Veröffentlichung des Buches:
Musik(erziehung) und ihre Wirkung. Eine Langzeitstudie an Berliner
Grundschulen
Von Hans Günther Bastian unter Mitarbeit von Adam Kormann,
Roland Hafen und Martin Koch, Mainz 2000
Das vom Bundesministerium
für Bildung und Forschung (Berlin) geförderte Projekt
"Zum Einfluss von erweiterter Musikerziehung auf die allgemeine
und individuelle Entwicklung von Kindern" ist abgeschlossen.
Unter Leitung des Musikpädagogen Prof. Dr. Hans Günther
Bastian liegen die Ergebnisse in einer ca. 680 Seiten umfassenden
Studie vor (Datenanhang auf CD-ROM).
Schon vor Abschluß des Projekts haben die Medien ausführlich
über dessen Inhalt und die voraussichtlichen Ergebnisse berichtet.
Was sich in Zwischenergebnissen andeutete, hat sich in jeder Weise
am Ende bestätigt.
Die Untersuchung fand in den Jahren 1992 bis 1998 als Langzeitstudie
an Berliner Grundschulen mit musikbetonten Zügen (zweistündiger
Musikunterricht + Erlernen eines Instruments + Musizieren im Ensemble)
und an zwei Vergleichsschulen mit konventionellem einstündigen
Musikunterricht statt. Die Ergebnisse dieser sechsjährigen
Langzeitstudie sind frappierend:
1. Soziale Kompetenz und soziale Reflexionsfähigkeit werden
nachhaltig durch Musikerziehung verbessert. In musikbetonten Grundschulen
ist die Zahl von weniger oft völlig ausgegrenzten Schülern
nachweislich geringer. Umgekehrt ist der Anteil der Kinder, die
keine einzige Ablehnung von ihren Klassenkameraden erhalten ("Den
schüler mag ich nicht"), sensationell hoch, im allgemeinen
doppelt so hoch wie an den konventionellen Schulen. Kinder mit Musikerziehung
verfügen über Vorteile in ihrer sozialen Urteilsfähigkeit,
sie sind besser in der Lage aus Erfahrungen zu lernen und Situationen
des Alltags adäquat zu erfassen und zu beurteilen.
2. Bereits
bei 6-7jährigen Kindern stellte die Forschungsgruppe um Prof.
Bastian einen monotonsteigenden Zusammenhang zwischen musikalischer
Begabung und Intelligenz fest - der IQ-Wert steigt mit zunehmender
Musikalität. Damit werden frühere Forschungsergebnisse
voll bestätigt, die einen Zusammenhang von Musikalität
und Intelligenz in den Randbereichen der Streuung des Intelligenzniveaus
konstatieren. Mehrjährige "erweiterte" Musikerziehung
führt nachweisbar bei Kindern aus musikbetonten Grundschulen
zu einem signifikaten IQ-Zugewinn. Sozial benachteiligte und in
ihrer kognitiven Entwicklung wenig geförderte Kinder profitieren
eindeutig von einer "erweiterten" Musikerziehung.
3. Verstärkte
Musikleistung hilft vor allem Schülern mit hohen Konzentrationsdefiziten.
4. Kreativität
und Leistungsvermögen steigen bei Kindern aus musikbetonten
Grundschulen signifikant. Positive Transfereffekte für die
Persönlichkeitsbildung sond somit eindeutig nachzuweisen.
5. Musikbetonte
Erziehung bedeutet zusätzliche Zeitinvestition. Doch der vermehrte
Zeitaufwand geht ganz eindeutig nicht zu Lasten der allgemeinen
schulischen Leistungen. Zu keinem Zeitpunkt der Studie waren die
Leistungen der Kinder aus der musikbetonten Grundschule in den sogenannten
"Hauptfächern" schlechter als in der konventionellen
Grundschule. Der prozentuale Anteil der Kinder mit überdurchschnittlich
guten Leistungen ist in der musikbetonten Grundschule sogar oft
höher als in der herkömmlichen Grundschule. Dies gilt
für die Fächter Mathematik, Geometrie, Deutsch, Englisch.
Daraus folgt:
Die Wissenschaftler ziehen aus ihrer Studie eindeutige Konsequenzen:
"Unsere Ergebnisse und Erkenntnisse verlangen eine engagierte
Kultur-, Bildungs- und Schulpolitik, die in unseren allgemeinbildenden
Schulen das Fach Musik vom Rand in die Mitte rücken".
Er fordert, daß in allen Bundesländern die Grundschüler
die Chance erhalten, neben einem mindestens zweistündigen Musikunterricht
in der Schule ein Instrument zu erlernen und in einem Ensemble zu
musizieren.
Die Vorteile liegen für ihn auf der Hand: Kreativität,
Konzentration, Teamfähigkeit, Extraversion, emotionale Stabilität
und Intelligenz werden eindeutig durch verstärkte musikalische
Erziehung verbessert. Diese für ihn sensationellen Ergebnisse
seiner vom Bundesministerium für Bildung und Forschung maßgeblich
unterstützten Studie müßten bei den für die
Bildungspolitik Verantwortlichen künftig Gehör finden.
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Besonders
erfreulich - wenn auch wieder mit zusätzlicher Arbeit verbunden -
ist die Tatsache, dass die wichtigsten Ergebnisse neu zusammengestellt
wurden und in einem Band für Eltern, Erzieher und (Kultur)politiker
veröffentlicht werden. Im Früjahr (genau am 11.03.2001) soll
- wiederum zur Musikmesse in Frankfurt - ein Taschenbuch der Öffentlichkeit
vorgestellt werden: Unter dem Titel "Kinder optimal fördern
- mit Musik", werden die umfangreichen und differenzierten Ergebnisse
der ca. 700seitigen Langzeitstudie in einer gut lesbaren Form für
ein breites Publikum zusammengefasst.
Eltern, Erzieher, Musiklehrer, Jugendliche, Politiker aller Ebenen und
Richtungen mögen hier entdecken, welches Potenzial in der Musik steckt.
Wir freuen uns (zusammen mit dem Verband der deutschen Musikverleger,
der dieses Projekt unterstützt hat) auf diesem Weg zu einer noch
größeren Verbreitung unserer Forschungsergebnisse beizutragen.
Martin Koch
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Impressum:
IBFF-Forum
Mitteilungen des
Institutes für Begabungsforschung und Begabtenförderung
in der Musik
Redaktion:
Martin Koch M.A.
Hrsg.:
IBFF
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